Eines der häufigsten Missverständnisse bei M&A-Transaktionen ist die Annahme, dass jedes identifizierte Risiko einfach durch zusätzliche Gewährleistungen abgedeckt werden sollte. Für Unternehmer erscheint dies oft intuitiv. Wenn ein Käufer im Rahmen der Due Diligence ein Problem entdeckt, scheint die naheliegende Lösung eine weitere vertragliche Absicherung zu sein. In der Praxis verfolgen erfahrene Transaktionsteams jedoch einen anderen Ansatz.
Nicht jedes Risiko wird auf die gleiche Weise behandelt. Einige Aspekte werden im Rahmen des allgemeinen Gewährleistungspakets geregelt. Andere werden durch steuerliche Bestimmungen, spezifische Entschädigungsklauseln, Kaufpreisanpassungen oder spezielle Maßnahmen zum Vertragsabschluss geregelt. Das eigentliche Ziel besteht nicht darin, mehr Klauseln zu schaffen, sondern jedes Risiko der richtigen Kategorie zuzuordnen.
Rahmenkonzept zur Risikoverteilung: Anpassung des Schutzes an das jeweilige Problem
Jede Transaktion birgt eine Vielzahl von Risiken.
Einige sind allgemein gehalten und praxisorientiert:
- Jahresabschlüsse;
- Handelsverträge;
- Beschäftigungsfragen;
- Einhaltung gesetzlicher Vorschriften.
Andere sind da viel konkreter:
- ein bekanntes Steuerrisiko;
- ein ungelöster Streit;
- ein ausstehender Kredit;
- eine bestimmte vertragliche Haftung.
Eine einheitliche Behandlung all dieser Probleme würde selten zu einem effizienten Ergebnis führen. Stattdessen bewerten Transaktionsteams in der Regel sowohl die Eintrittswahrscheinlichkeit des Risikos als auch dessen potenzielle Auswirkungen auf den Wert, bevor sie entscheiden, wie damit umgegangen werden soll.
Geschäftsgarantien: Absicherung allgemeiner Transaktionsrisiken
Das Gewährleistungspaket befasst sich in der Regel mit der allgemeinen Lage des Unternehmens. Gewährleistungen erfüllen einen wichtigen Zweck, da sie einen Rahmen für die Aufteilung unbekannter Risiken zwischen Käufer und Verkäufer schaffen.
Zu den typischen Garantiebereichen gehören häufig:
- Aktienbesitz;
- Finanzinformationen;
- wesentliche Verträge;
- Beschäftigungsfragen;
- Compliance-Probleme.
Diese Schutzmaßnahmen bewähren sich insbesondere dann, wenn die Parteien Risiken angehen, die umfassender Natur sind und sich nicht ohne Weiteres auf einen einzelnen Sachverhalt beschränken lassen. Allerdings sind Gewährleistungen nicht immer die wirksamste Lösung.
Spezifische Entschädigungsregelungen: Abgrenzung bekannter Risiken
Wenn ein bestimmtes Problem bereits erkannt wurde, verlagert sich die Diskussion häufig weg von den Gewährleistungen. Ein bekanntes Risiko lässt sich oft besser durch eine spezifische Haftungsfreistellung regeln.
Beispiele hierfür wären:
- ein anhängiger Anspruch;
- eine Anfrage der Steuerbehörde;
- ein Umweltproblem;
- ein ungelöster Vertragsstreit.
Der Grund dafür ist ganz einfach: Anstatt zu prüfen, ob eine Gewährleistungspflicht verletzt wurde und wie der Schaden zu bemessen ist, kann durch eine Entschädigungsvereinbarung die Verantwortung für ein klar definiertes Problem von vornherein zugewiesen werden. Dies bietet sowohl Käufern als auch Verkäufern oft mehr Sicherheit.
Verteilung des Steuerrisikos: Eine eigene Schutzkategorie
Steuerliche Aspekte werden bei M&A-Transaktionen häufig besonders berücksichtigt. Dies liegt daran, dass Steuerverbindlichkeiten oft aus früheren Perioden stammen, aber erst nach dem Abschluss der Transaktion sichtbar werden. Daher enthalten Transaktionen in der Regel spezielle Steuerklauseln, die Folgendes abdecken:
- Steuerperioden vor dem Abschluss;
- Steuerprüfungen;
- gesetzliche Meldepflichten;
- festgestellte Steuerrisiken.
Aus Sicht des Transaktionsmanagements wird das Steuerrisiko oft als eigenständiger Arbeitsbereich behandelt und nicht lediglich als ein weiteres Thema im Zusammenhang mit Gewährleistungen.
Abschlussmaßnahmen: Risiken lösen statt sie zu verlagern
Eine der wirksamsten Methoden, mit einem Risiko umzugehen, besteht darin, es gar nicht erst zuzuweisen. Stattdessen können die Parteien das Risiko bereits vor Vertragsabschluss klären. Beispiele hierfür sind häufig:
- Rückzahlung von Gesellschafterdarlehen;
- Beendigung von Vereinbarungen mit nahestehenden Personen;
- Einholung von Verzichtserklärungen der Kunden;
- die Einholung von Freigaben der Kreditgeber;
- Abschluss der Sanierungsmaßnahmen des Unternehmens.
Dieser Ansatz kann attraktiv sein, da er das Problem aus dem Weg räumt, anstatt es als Thema für Gespräche nach dem Abschluss offen zu lassen. Bei vielen Transaktionen findet ein Großteil des wertvollsten Risikomanagements bereits statt, bevor der Tag des Abschlusses überhaupt erreicht ist.
Geschäftsverhandlungen: Die wirklich wichtigen Risiken im Blick behalten
Ein häufiges Muster bei Transaktionen ist, dass Käufer im Rahmen der Due Diligence zunächst eine große Anzahl von Problemen identifizieren. Die meisten davon sind relativ geringfügig. Nur wenige davon können einen wesentlichen Einfluss auf den Wert, den künftigen Geschäftsbetrieb oder die Transaktionssicherheit haben.
Erfahrene Transaktionsteams verwenden daher viel Zeit darauf, zwischen folgenden Punkten zu unterscheiden:
- Risiken, die tatsächlich einen Schutz erfordern;
- Risiken, die operativ gesteuert werden können;
- Risiken, die vor Abschluss behoben werden können.
Dadurch können sich die Verhandlungen auf die wirklich wichtigen Themen konzentrieren.
Strategie zur Risikoverteilung: Qualität vor Quantität
Unternehmer gehen manchmal davon aus, dass ein stärkerer Schutz einen längeren SPA bedeutet. In Wirklichkeit sind die sichersten Transaktionen oft diejenigen, bei denen die entscheidenden Risiken frühzeitig erkannt und angemessen verteilt wurden.
Eine sorgfältig formulierte Haftungsfreistellung kann einen größeren Nutzen bieten als mehrere Seiten mit zusätzlichen Gewährleistungen. Ebenso kann eine vor dem Abschluss getroffene Lösung wirksamer sein als beides.
Für Unternehmer lautet die wichtigste Erkenntnis ganz einfach: Bei einer guten Risikoverteilung geht es nicht darum, jedes Problem in den Garantiekorb zu packen. Es geht vielmehr darum, die wenigen Risiken zu identifizieren, die den Wert tatsächlich beeinträchtigen könnten, und jedes einzelne davon auf die am besten geeignete Weise anzugehen.