Die Vereinigten Arabischen Emirate haben sich als führender Standort für internationale Holdingstrukturen etabliert. Insbesondere Unternehmen in Freihandelszonen bieten eine Kombination aus steuerlicher Effizienz, Kontrolle über die Eigentumsverhältnisse und Flexibilität, die anderswo nur schwer zu finden ist.
Seit der Einführung der Körperschaftsteuer funktioniert diese Struktur jedoch nur, wenn sie in der Praxis ordnungsgemäß umgesetzt wird – und nicht nur auf dem Papier.
Warum eine Holdinggesellschaft in einer Freihandelszone der VAE nutzen?
Eine Holdinggesellschaft in einer Freihandelszone der Vereinigten Arabischen Emirate wird in der Regel dazu genutzt, Anteile, Vermögenswerte oder geistiges Eigentum über eine zentrale Gesellschaft zu halten.
Die Vorteile liegen auf der Hand:
- 100%: Ausländische Beteiligung ohne lokalen Partner [patentpc.com]
- Vermögenstrennung zwischen Holding- und Betriebsgesellschaften [wow-rak.com]
- Flexible Strukturierung für den Einstieg, den Ausstieg und die Konsolidierung von Beteiligungen [nortonrose…bright.com]
- Mögliche Körperschaftsteuer (0%) auf steuerpflichtige Einkünfte wie Dividenden und Kapitalerträge [dlp.dubai.gov.ae]
Strukturen dieser Art werden üblicherweise für folgende Zwecke verwendet:
- internationale Anlageportfolios
- Immobilienbesitz
- Eigentumsrechte an geistigem Eigentum
- Konzernstrukturen, die mehrere Rechtsordnungen umfassen
Freihandelszonen wie RAKEZ in Ras Al Khaimah werden in der Praxis aufgrund ihres Kostenniveaus und ihrer unkomplizierten Abwicklung häufig genutzt – die zugrunde liegenden Prinzipien gelten jedoch in den gesamten Vereinigten Arabischen Emiraten.
Der entscheidende Punkt: Die 0%-Steuer ist an Bedingungen geknüpft
Seit der Einführung der Körperschaftsteuer in den Vereinigten Arabischen Emiraten sind Unternehmen in Freihandelszonen nicht mehr automatisch steuerfrei.
Der Steuersatz 0% gilt nur für “berechtigte Personen in der Freihandelszone” und nur für berechtigte Einkünfte. [gulfnews.com]
Um dies in Anspruch nehmen zu können, muss das Unternehmen alle gesetzlichen Anforderungen erfüllen, darunter:
- Erzielung von anrechnungsfähigen Einkünften
- Aufrechterhaltung einer angemessenen Substanz in den VAE
- Einhaltung der Verrechnungspreisvorschriften
- Erstellung geprüfter Jahresabschlüsse [gulfnews.com]
Ist eine dieser Voraussetzungen nicht erfüllt, unterliegt das Unternehmen der regulären Körperschaftsteuerregelung 9%.
Inhalt: der entscheidende Faktor
Die wichtigste Voraussetzung ist die wirtschaftliche Substanz.
Das Regime der Vereinigten Arabischen Emirate verlangt, dass Unternehmen, die vom 0%-Satz profitieren, tatsächlich im Land tätig sind.
In der Praxis bedeutet das:
- Die wesentlichen gewinnbringenden Tätigkeiten müssen in der Freihandelszone stattfinden [nortonrose…bright.com]
- Das Unternehmen muss über echte Mitarbeiter in den Vereinigten Arabischen Emiraten verfügen [pitstoparabia.com]
- Es muss eine physische Präsenz geben, beispielsweise ein Büro oder Räumlichkeiten [pitstoparabia.com]
- Das Unternehmen muss tatsächliche Betriebsausgaben verzeichnen [taylorwessing.com]
Selbst für eine Holdinggesellschaft erfordert dies mehr als nur eine formale Gründung. Die Behörden erwarten:
- die tatsächliche Entscheidungsfindung in den VAE
- nachweisbare Managementtätigkeit
- eine Struktur, die auf die erzielten Einnahmen abgestimmt ist
Einfach ausgedrückt:
Keine Substanz = keine 0%-Steuer.
Ausgewiesene Zonen und operative Tätigkeiten
Für bestimmte Geschäftsmodelle, wie beispielsweise Handel oder Vertrieb, gilt eine zusätzliche Anforderung:
- Die Tätigkeiten müssen innerhalb einer festgelegten Zone durchgeführt werden.
- Die Vorgänge müssen dort physisch durchgeführt werden
Erst dann können die entsprechenden Erträge in den Genuss der Vorzugsbehandlung kommen. [in.investing.com]
Dies ist dann von Bedeutung, wenn Holding- und operative Funktionen in einer Struktur zusammengefasst sind.
Typische Strukturierung in der Praxis
In vielen Fällen trennen Investoren mittlerweile die Funktionen:
- Holdinggesellschaft, d. h. eine Holdinggesellschaft in einer Freihandelszone
- Betriebsgesellschaft, d. h. ein Unternehmen in einer Freihandelszone oder auf dem Festland
Die betreibende Stelle stellt sicher, dass:
- Mitarbeiter
- Büros
- tatsächliche Geschäftstätigkeit
Die Holdinggesellschaft:
- besitzt die Aktien
- erhält Dividenden
- verwaltet Investitionen
Diese Konstellation erleichtert es erheblich, die materiellen Anforderungen zu erfüllen und die steuerlichen Vorteile zu wahren.
Wo Konstruktionen versagen
Die in der Praxis am häufigsten auftretenden Probleme sind:
- keine tatsächliche Präsenz in den VAE, beispielsweise nur ein Flexi-Schreibtisch
- die Geschäftsführung hat ihren Sitz effektiv im Ausland
- Einkünfte, die nach den Vorschriften nicht berücksichtigt werden
- übermäßiges, nicht anrechenbares Einkommen
In diesen Fällen bleibt das Unternehmen selbst bestehen —
Allerdings geht der Steuervorteil verloren.
Fazit
Holding-Strukturen in den Freihandelszonen der VAE sind aus rechtlicher und steuerlicher Sicht nach wie vor äußerst attraktiv.
Doch die Rahmenbedingungen haben sich grundlegend verändert:
Die Unternehmenssteuerregelung 0% stellt keinen formellen Vorteil mehr dar – sie ist an Bedingungen geknüpft.
Dadurch verlagert sich der Fokus von “dem Ort, an dem das Unternehmen eingetragen ist” hin zu
“ob das Unternehmen dort tatsächlich tätig ist.”
Für Anleger ist die Schlussfolgerung klar:
- Die Gründung einer Holdinggesellschaft in einer Freihandelszone ist nach wie vor schnell und effizient
- Um den Steuervorteil zu wahren, sind eine angemessene Strukturierung und eine tatsächliche Präsenz vom ersten Tag an erforderlich.
Rechtsräume wie RAKEZ bieten zwar einen praktischen Einstieg, ändern jedoch nichts an der zugrunde liegenden Regel:
Die VAE belohnen Substanz – nicht bloße Papierkonstrukte.