Das stufenweise Vorgehen im Vertriebsrecht

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I. Allgemeine Informationen zum schrittweisen Vorgehen 

Das stufenweise Verfahren gemäß § 254 ZPO kommt im Vertriebsrecht, insbesondere im Handelsvertreterrecht, eine enorme Bedeutung zu. Zu den typischen Streitfällen zählen beispielsweise die Provisionsansprüche des Handelsvertreters.

Um diese Ansprüche zu beziffern, benötigen Sie bestimmte Informationen, die im ersten Schritt des Verfahrens erforderlich sind. Auf der Grundlage der im ersten Schritt gesammelten Informationen dreht sich im zweiten Schritt alles um die Geltendmachung dieses Anspruchs (erst in dieser Phase muss die Klage so präzise formuliert sein, wie es § 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO vorschreibt).

Dies war auch in einem Urteil des OLG München vom 11. April 2018 (7 U 1972/17) der Fall: Ziel der ersten Instanz war es, eine Abrechnung zu erwirken. Ziel der zweiten Instanz war dann die Gewährung der Zahlung der Provisionen, deren Höhe in der Abrechnung beziffert worden war.

Auch eine dreistufige Variante ist sehr verbreitet. Bei dieser Variante gibt es zwischen der Erhebung der Informationen und der Geltendmachung des Anspruchs eine weitere Stufe. In diesem Zwischenschritt beantragt der Anspruchsteller eine eidesstattliche Erklärung, um sich zu vergewissern, dass die vorgelegten Informationen der Wahrheit entsprechen.

II. Weitere prozessrechtliche Aspekte

Das stufenweise Verfahren dient unter anderem dazu, das Gerichtsverfahren kostengünstiger zu gestalten, da es dem Gericht ermöglicht, über alle relevanten Anträge in einem einzigen Verfahren zu entscheiden, anstatt über jeden Antrag in separaten Verfahren zu entscheiden.

Die stufenweise Klage ist ein Sonderfall der objektiven Zusammenfassung einzelner Ansprüche gemäß § 260 ZPO. Alle Anträge sind untergeordnet; die Anträge werden jedoch nicht gleichzeitig, sondern stufenweise entschieden. Ausnahmsweise kann es zu einer gemeinsamen Verhandlung mit einheitlicher Entscheidung über mehrere Stufen kommen, wenn die Prüfung des Auskunftsanspruchs ergibt, dass für den Hauptanspruch keine Rechtsgrundlage vorliegt (Bundesgerichtshof, Versäumnisurteil vom 28. November 2001, VII ZR 37/01). In der Regel ergeht ein Teilurteil zu den ersten beiden Schritten und ein Endurteil bezüglich des dritten Schritts (siehe oben, typischerweise ein Antrag auf Zahlung). Wird der Anspruch abgelehnt, kommen Rechtsmittel wie Berufung und Revision in Betracht. Die Rechtsmittel gegen eine Stufe haben keinen Einfluss auf andere Antragsstufen.

Im Endurteil wird eine einheitliche Kostenentscheidung getroffen, doch wird in der vorherrschenden Rechtsauffassung jede Instanz gemäß § 91 ff. ZPO gesondert berechnet.

III. Ergänzende Angaben zum Antrag; Unterscheidung nach Vertriebsvermittlern

Bei Konflikten mit Handelsvertretern geht es häufig um Fragen der Provisionsabrechnung und der Vorlage eines Rechnungsabschlusses. In solchen Fällen können die Maßnahmen der ersten und der zweiten Stufe kombiniert werden, wenn begründete Zweifel an der Sorgfalt des Auftraggebers hinsichtlich der vorgeschriebenen Rechnungslegungspflichten bestehen. Auf der dritten Ebene beantragt der Kläger eine allgemeine Feststellung, dass der Auftraggeber den Betrag, den er dem Handelsvertreter aufgrund der Abrechnung schuldet, zuzüglich Zinsen (und sonstiger Ansprüche, § 89b HGB) zu zahlen hat.

Es muss jedoch nicht unbedingt so sein, dass beide Punkte – d. h. die Abrechnung und die Verbreitung der Buchauszüge – bereits in der ersten Instanz geltend gemacht werden müssen, da die Abrechnung möglicherweise bereits erfolgt ist. Ist dies der Fall, könnte der klagende Handelsvertreter beantragen, den Beklagten im Rahmen eines stufenweisen Verfahrens nacheinander zu verurteilen.

1) einen ordnungsgemäßen und übersichtlichen Buchungsauszug gemäß § 87c Abs. 2 HGB über alle Transaktionen zu erstellen, die im betreffenden Zeitraum zwischen dem Beklagten und dem Kunden stattgefunden haben, dessen Lieferadresse in dem Gebiet lag, das der Kläger in diesem Zeitraum als Beauftragter des Beklagten betreute; dieser Auszug muss mindestens folgende Angaben enthalten: [Folgende Angaben, wie z. B. die Identität des Kunden und auftragsbezogene Details];

2) gegebenenfalls die Richtigkeit und Vollständigkeit der Kopie des Auszugs gemäß Anspruch 1 sicherzustellen;

3) dem Kläger die Provisionen bzw. weitere Schadensersatzansprüche in einer Höhe zu zahlen, die nach Vorlage des Buchauszugs und etwaiger eidesstattlicher Erklärungen gemäß Anspruch 2) festzusetzen ist, zuzüglich Zinsen in Höhe von 9 Prozentpunkten über den Basiszinssätzen seit Beginn der Rechtshängigkeit.

Für Händler gilt eine etwas andere Regelung als für Handelsvertreter. Selbstverständlich kann auch bei Streitigkeiten mit Händlern ein stufenweises Verfahren gemäß § 254 ZPO stattfinden. Allerdings erhält der Händler in der Regel eine Handelsspanne, jedoch keine Provision, weshalb keine Abrechnungspflichten oder Buchauszüge bestehen. Auskunftsansprüche des autorisierten Händlers können grundsätzlich entstehen, z. B. aus § 242 und § 666 BGB. Dies kann im Hinblick auf die Vorbereitung von Schadensersatzansprüchen gemäß § 89b HGB von ähnlicher Bedeutung sein (vgl. Landgericht Düsseldorf, Teilurteil vom 28. August 2015, 33 O 119/12). Gleiches gilt für Franchisenehmer. Bei Kommissionären ist die Situation vergleichsweise kompliziert. In diesem Zusammenhang ist der Anspruch auf Erteilung einer Provisionsabrechnung (analog zu § 87c Abs. 1 HGB) für die Praxis relevant. Die Auskunftsrechte, z. B. auf die Erteilung eines Buchauszugs oder auf Einsicht in die Bücher, sind in der Regel irrelevant, da der Kommissionär die Geschäfte, auf deren Grundlage er die Provision beanspruchen kann, selbst in eigenem Namen abschließt. Daher waren ihm alle für die Berechnung der Provision relevanten Umstände bekannt (Ausnahme: Gebietsprovision analog zu § 87 Abs. 2 HGB)

IV. Abschließende praktische Hinweise

Die stufenweise Klage ist ein nützliches Instrument, um den Informationsaustausch und die positive Abhilfe prozessökonomisch zu verbinden. Insbesondere im Hinblick auf Ansprüche gemäß §§ 87c, 89b HGB sollte geprüft werden, ob die stufenweise Klage eine Alternative zu einer eigenständigen Klage auf Provision und Schadensersatz darstellt. Die Gestaltung einer stufenweisen Klage sollte sorgfältig abgewogen werden. Insbesondere sollten die Sachverhalte eingehend geprüft werden, um festzustellen, welche Stufen erforderlich oder angemessen sind.

In der Praxis wird häufig übersehen, dass angesichts der häufig vorgebrachten Anträge auf Ausstellung eines Buchauszugs dem jeweiligen Handelsvertreter möglicherweise das erforderliche Informationsinteresse oder der Rechtsschutz für die Geltendmachung eines Buchrücknahmeanspruchs fehlt, der die Grundlage für die entsprechenden Auskunftsrechte bildet. Das Landgericht Hannover hat beispielsweise zu Recht festgestellt (LG Hannover, Urteil vom 7. Februar 2011 – 23 O 4512/99-128), dass der Anspruch auf einen Buchauszug gemäß § 87c Abs. 2 HGB voraussetzt, dass relevante Tatsachen auftreten, die für die geschäftlichen Interessen des Handelsvertreters von Bedeutung sind. Verfügt der Handelsvertreter jedoch bereits über alle relevanten Informationen, benötigt er keinen Buchauszug; es fehlt die Rechtsschutzbedürftigkeit.

Selbst solche Informationen, die für einen Zahlungsanspruch des Handelsvertreters keine Bedeutung haben, dürfen nicht verlangt werden.

Im Übrigen haben das Landgericht und das Amtsgericht Hannover Kriterien entwickelt, wann die Geltendmachung von Buchungsansprüchen einen Rechtsmissbrauch darstellt (vgl. KG Berlin, Urteil vom 15. Mai 2006 – 23 U 96/05; LG Hannover, 7. Februar 2001 – 23 O 4512). Es ist keineswegs sicher, dass Buchungsansprüche vor Gericht Erfolg haben. Hier lohnt es sich für Unternehmen, den Einzelfall zu prüfen oder ihn von einem Rechtsanwalt gerichtlich klären zu lassen.

L. Nagy
Rechtsanwalt
Fachanwalt für internationales Wirtschaftsrecht
Fachanwalt für Handels- und Gesellschaftsrecht

T. +49 911 9360090
Laszlo.nagy@nzp.de

 

 

 

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